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Velocity- und Kapazitätsrechner für Entwicklerteams

Jan 25, 2025

Rechner für Engineering-Velocity und Kapazität

Schluss mit Raten bei der Sprint-Kapazität. Nutzen Sie echte Daten und bewährte Formeln für realistische Sprints, Velocity-Trends und planbare Liefertermine. Inkl. kostenlosem Rechner und Vorlagen.


Warum Velocity-Tracking für Dev-Teams wichtig ist

Das Sprint-Planungs-Problem:

Montagmorgen. Sprint-Planungs-Meeting. Ihr PM fragt: „Wie viele Story Points können wir uns für diesen Sprint vornehmen?“

Ohne Velocity-Daten raten Sie:

  • „Vielleicht 40 Punkte? So war es beim letzten Mal …“
  • „John ist im Urlaub, also eher weniger …“
  • „Wir haben noch den Production-Vorfall …“
  • „Sagen wir 35 Punkte, um sicherzugehen?“

Zwei Wochen später:

  • 28 Punkte erledigt (20 % unter dem Commitment)
  • Stakeholder sind unzufrieden mit „langsamem Fortschritt“
  • Das Team fühlt sich schlecht wegen „Unterleistung“
  • Nächste Sprint-Planung: dasselbe Raten

Das eigentliche Problem: Sie planen nach Gefühl, nicht nach Daten.

Die Lösung: Engineering-Velocity berechnen und tracken.


⚠️ INTERAKTIVER VELOCITY-RECHNER

[PLATZHALTER FÜR INTERAKTIVEN RECHNER]

In diesem Abschnitt wird ein interaktiver JavaScript-Rechner mit folgenden Funktionen eingebunden:

Rechner-Funktionen:

Eingabefelder:

  1. Teamgröße – Anzahl Entwickler im Team
  2. Sprint-Länge – Tage pro Sprint (typisch 10–14 Tage)
  3. Stunden pro Tag – Arbeitsstunden pro Entwickler und Tag
  4. Meeting-Zeit – Daily Standup + Planung + Retro (Stunden/Tag)
  5. Historische Velocity – Durchschnittliche erledigte Story Points in den letzten 3–5 Sprints
  6. Story-Points-zu-Stunden-Verhältnis – Durchschnittliche Stunden pro Story Point Ihres Teams

Berechnungen:

  1. Brutto-Kapazität = Teamgröße × Sprint-Tage × Stunden/Tag
  2. Meeting-Overhead = Meeting-Stunden × Sprint-Tage × Teamgröße
  3. Netto-Kapazität = Brutto − Meetings − Puffer (20 %)
  4. Empfohlenes Sprint-Commitment = basierend auf historischer Velocity
  5. Velocity-Trend = Letzte 5 Sprints mit Trendlinie
  6. Kapazität pro Entwickler = Individuelle Zuteilung

Ausgaben:

  • Sprint-Kapazität in Stunden
  • Empfohlenes Story-Point-Commitment
  • Puffer für ungeplante Arbeit
  • Kapazität pro Entwickler
  • Velocity-Trend-Diagramm
  • Vergleich mit Team-Benchmark

Export:

  • Als PDF herunterladen
  • Als CSV exportieren
  • In Corcava-Projekt speichern

Engineering-Velocity verstehen

Was ist Velocity?

Definition Velocity: Velocity ist die durchschnittliche Menge an Arbeit, die ein Entwicklungsteam pro Sprint abschließt – üblicherweise in Story Points oder Stunden gemessen.

Grundbegriffe:

Story Points:

  • Relatives Maß für Komplexität und Aufwand
  • Keine Zeitschätzungen (bewusst abstrakt)
  • Team-spezifische Kalibrierung
  • Typisch Fibonacci-Folge (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21)

Velocity:

  • Durchschnittliche erledigte Story Points pro Sprint
  • Basiert auf den letzten 3–5 Sprints für Genauigkeit
  • Team-spezifisch (nicht zwischen Teams vergleichbar)
  • Verbessert sich bei stabiler Teamzusammensetzung

Kapazität:

  • Verfügbare Arbeitsstunden pro Sprint
  • Berücksichtigt Meetings, Overhead, Puffer
  • Dient zur Absicherung von Velocity-Commitments
  • Hilft bei Überlastung zu erkennen

Die Velocity-Formel

Einfache Velocity-Berechnung:

Velocity = Summe der in den letzten N Sprints erledigten Story Points ÷ N

Beispiel:
Sprint 1: 42 Punkte
Sprint 2: 38 Punkte
Sprint 3: 45 Punkte
Sprint 4: 40 Punkte
Sprint 5: 43 Punkte

Velocity = (42 + 38 + 45 + 40 + 43) ÷ 5 = 41,6 Punkte/Sprint

Kapazitätsberechnung:

Brutto-Kapazität = Teamgröße × Sprint-Tage × Stunden/Tag
Netto-Kapazität = Brutto-Kapazität − Meetings − Admin − Puffer

Beispiel (5 Personen, 10-Tage-Sprint):
Brutto = 5 Entwickler × 10 Tage × 8 h = 400 Stunden
Meetings = 5 Devs × 10 Tage × 1,5 h = 75 Stunden  
Admin-Overhead = 10 % × 400 = 40 Stunden
Puffer (20 %) = 80 Stunden
Netto-Kapazität = 400 − 75 − 40 − 80 = 205 Stunden

Umrechnung Story Points in Stunden:

Stunden pro Punkt = Erfasste Gesamtstunden ÷ Erledigte Story Points

Beispiel vom letzten Sprint:
Erfasste Zeit: 210 Stunden
Erledigte Story Points: 42 Punkte
Stunden/Punkt = 210 ÷ 42 = 5 Stunden/Punkt

Für den nächsten Sprint:
Netto-Kapazität: 205 Stunden
Commitment = 205 ÷ 5 = 41 Story Points

Team-Kapazität berechnen

Der Kapazitätsplanungs-Rahmen

Schritt 1: Brutto-Kapazität berechnen

Das theoretische Maximum, wenn alle 100 % der Zeit arbeiten:

Brutto-Kapazität = Teamgröße × Sprint-Tage × Stunden pro Tag

Beispiele:
3 Personen, 2-Wochen-Sprint (10 Tage), 8-Stunden-Tage:
= 3 × 10 × 8 = 240 Stunden

5 Personen, 2-Wochen-Sprint (10 Tage), 8-Stunden-Tage:
= 5 × 10 × 8 = 400 Stunden

8 Personen, 3-Wochen-Sprint (15 Tage), 7-Stunden-Tage:
= 8 × 15 × 7 = 840 Stunden

Schritt 2: Meeting-Zeit abziehen

Alle Team-Ceremonies einplanen:

Typische Meeting-Zeit pro Sprint:

  • Daily Standup: 15 Min/Tag × Sprint-Tage = 2,5 h (10-Tage-Sprint)
  • Sprint-Planung: 2 Stunden
  • Sprint-Review/Demo: 1 Stunde
  • Retrospektive: 1 Stunde
  • Refinement/Grooming: 2 Stunden
  • Summe: ca. 8,5 Stunden pro Entwickler und Sprint

Bei 10-Tage-Sprint, 5 Entwickler:

Meeting-Zeit = 8,5 h × 5 Entwickler = 42,5 Stunden

Schritt 3: Administrativen Overhead abziehen

Nicht-Entwicklungsarbeit berücksichtigen:

Typischer Admin-Overhead:

  • Code-Reviews: 5–10 % der Kapazität
  • E-Mails und Slack: 5–10 % der Kapazität
  • Teamkoordination: 2–5 % der Kapazität
  • Dokumentation: 2–5 % der Kapazität
  • Summe: 15–25 % der Brutto-Kapazität

Bei 400 h Brutto-Kapazität:

Admin-Overhead = 20 % × 400 = 80 Stunden

Schritt 4: Puffer für Unvorhergesehenes

Production-Vorfälle, dringende Bugs, Scope-Änderungen einplanen:

Typischer Puffer:

  • Reifes Produkt: 10–15 %
  • Wachsendes Produkt: 15–20 %
  • Frühphase: 20–30 %

Bei etabliertem Produkt:

Puffer = 15 % × 400 = 60 Stunden

Schritt 5: Netto-Kapazität berechnen

Netto-Kapazität = Brutto − Meetings − Admin − Puffer
Netto = 400 − 42,5 − 80 − 60 = 217,5 Stunden

Das ist Ihre realistische Sprint-Kapazität.

Team-Varianten berücksichtigen

Teilzeit-Mitarbeiter:

Entwickler mit 50 % Kapazität:
Beitrag = 0,5 × (Sprint-Tage × Stunden/Tag)
= 0,5 × (10 × 8) = 40 Stunden Brutto-Kapazität

Urlaub und Abwesenheit:

Entwickler mit 3 Tagen Urlaub in 10-Tage-Sprint:
Verfügbare Tage = 10 − 3 = 7 Tage
Beitrag = 7 × 8 = 56 Stunden Brutto-Kapazität

Neue Teammitglieder:

Erster Sprint: 25–50 % Produktivität (Onboarding)
Zweiter Sprint: 50–75 % Produktivität
Dritter Sprint: 75–90 % Produktivität
Vierter Sprint: ca. 100 % Produktivität

Neuer Entwickler im ersten Sprint:
Beitrag = 0,4 × (10 × 8) = 32 Stunden Brutto-Kapazität

Verschiedene Erfahrungsstufen:

Senior: Faktor 1,2 (schneller, weniger Blocker)
Mid-Level: 1,0 (Referenz)
Junior: Faktor 0,7 (Einarbeitung, braucht Review)

Effektive Kapazität:
2 Seniors: 2 × 1,2 × 80 = 192 Stunden
2 Mid-Level: 2 × 1,0 × 80 = 160 Stunden
1 Junior: 1 × 0,7 × 80 = 56 Stunden
Summe: 408 Stunden Brutto (bei 5 × 80 = 400)

Story-Point-Schätzung: Leitfaden

Was sind Story Points?

Story Points sind NICHT:

  • ❌ Stunden oder Tage
  • ❌ Kalenderzeit
  • ❌ Nur Komplexität
  • ❌ Zwischen Teams vergleichbar

Story Points SIND:

  • ✅ Relative Aufwandsschätzungen
  • ✅ Mix aus Komplexität, Aufwand und Unsicherheit
  • ✅ Team-spezifisch kalibriert
  • ✅ Instrument für Planung und Prognose

Die Fibonacci-Skala

Warum Fibonacci? (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34)

Die wachsenden Abstände spiegeln wachsende Unsicherheit bei größeren Schätzungen wider:

1 Punkt – Trivial

  • Einfache Config-Änderung
  • Einzeiliger Bugfix
  • Textanpassung
  • ca. 1 Stunde Arbeit

2 Punkte – Einfach

  • Kleine UI-Änderung
  • Einfache Formularvalidierung
  • Einfacher API-Endpoint
  • ca. 2–3 Stunden Arbeit

3 Punkte – Mittel

  • Neue Seite mit bestehenden Komponenten
  • Datenbankabfrage optimieren
  • Mehrstufiges Formular
  • ca. 4–6 Stunden Arbeit

5 Punkte – Komplex

  • Neues Feature mit mehreren Komponenten
  • Komplexe Business-Logik
  • Datenbankschema-Änderung
  • ca. 8–12 Stunden Arbeit

8 Punkte – Sehr komplex

  • Mehrseitiges Feature
  • Anbindung externer Dienste
  • Größeres Refactoring
  • ca. 15–20 Stunden Arbeit

13 Punkte – Sehr hohe Komplexität

  • Großes Feature über mehrere Bereiche
  • Neue Architekturkomponente
  • Komplexe Integration
  • ca. 25–35 Stunden Arbeit

21+ Punkte – Epic

  • Zu groß – sollte zerlegt werden
  • Arbeit über mehrere Sprints
  • Sollte in kleinere Stories aufgeteilt werden

Schätz-Best-Practices

1. Referenz-Stories nutzen

  • 3–5 „Kalibrier-Stories“ mit verschiedenen Punktwerten festlegen
  • z. B. „3 Punkte ist wie beim Export-Feature“
  • Neue Stories an Referenz-Stories anlegen

2. Planning Poker

  • Das Team schätzt gemeinsam
  • Alle zeigen ihre Schätzung gleichzeitig (Ankereffekt vermeiden)
  • Abweichungen besprechen
  • Auf gemeinsame Schätzung einigen

3. Alle Faktoren einbeziehen

  • Komplexität – Wie anspruchsvoll ist der Code?
  • Aufwand – Wie viel Arbeit ist nötig?
  • Unsichereit – Wie gut verstehen wir die Anforderung?
  • Abhängigkeiten – Was muss vorher passieren?

4. Im Zweifel höher schätzen

  • Größere Schätzung enthält Puffer
  • Besser über- als unterliefern
  • Unsicherheit erhöht die Schätzung

5. Ist-Zeit erfassen

  • Story Points mit erfassten Stunden vergleichen
  • Stunden-pro-Punkt-Verhältnis des Teams berechnen
  • Daten für bessere künftige Schätzungen nutzen

Velocity-Tracking und Trends

Sprint-Velocity erfassen

Was erfassen:

Nach jedem Sprint notieren:

  • Geplante Story Points – was geplant war
  • Erledigte Story Points – was fertig wurde
  • Erledigungsquote – Erledigt ÷ Geplant
  • Erfasste Gesamtstunden – tatsächlich investierte Zeit
  • Stunden pro Punkt – Stunden ÷ erledigte Punkte
  • Teamgröße – FTE im Sprint
  • Wichtige Ereignisse – Feiertage, Production-Vorfälle, Teamänderungen

Beispiel-Sprint-Eintrag:

Sprint 12 (10.–21. Jan. 2025):
- Geplant: 42 Punkte
- Erledigt: 38 Punkte
- Erledigung: 90 %
- Erfasste Stunden: 195
- Stunden/Punkt: 5,1
- Team: 4,5 FTE (1 Person 50 % im Support)
- Ereignisse: 2 Feiertage, kleiner Production-Vorfall (4 h)

Gleitende Velocity berechnen

Warum gleitender Durchschnitt?

  • Glättet Sprint-zu-Sprint-Schwankungen
  • Aussagekräftiger als ein einzelner Sprint
  • Zeigt das nachhaltige Tempo des Teams

3-Sprint-Durchschnitt:

Sprint 10: 35 Punkte
Sprint 11: 42 Punkte
Sprint 12: 38 Punkte

Velocity = (35 + 42 + 38) ÷ 3 = 38,3 Punkte/Sprint

5-Sprint-Durchschnitt (empfohlen):

Sprint 8: 40 Punkte
Sprint 9: 38 Punkte
Sprint 10: 35 Punkte
Sprint 11: 42 Punkte
Sprint 12: 38 Punkte

Velocity = (40 + 38 + 35 + 42 + 38) ÷ 5 = 38,6 Punkte/Sprint

Velocity-Trends und Muster

Aufwärtstrend (Verbesserung):

Sprint 1: 30 Punkte
Sprint 2: 34 Punkte
Sprint 3: 37 Punkte
Sprint 4: 40 Punkte
Sprint 5: 42 Punkte

Trend: +3 Punkte/Sprint

Ursachen:
✅ Team gewinnt Codebase-Erfahrung
✅ Bessere Schätzgenauigkeit
✅ Verbesserte Entwicklungsprozesse
✅ Weniger technische Schulden

Abwärtstrend (Rückgang):

Sprint 1: 45 Punkte
Sprint 2: 42 Punkte
Sprint 3: 38 Punkte
Sprint 4: 35 Punkte
Sprint 5: 32 Punkte

Trend: −3,25 Punkte/Sprint

Mögliche Ursachen:
❌ Technische Schulden bremsen Entwicklung
❌ Steigende Code-Komplexität
❌ Überlastung oder Stimmung im Team
❌ Mehr Production-Support
❌ Verlust erfahrener Teammitglieder

Volatil (instabil):

Sprint 1: 40 Punkte
Sprint 2: 28 Punkte
Sprint 3: 45 Punkte
Sprint 4: 30 Punkte
Sprint 5: 43 Punkte

Varianz: ±15 Punkte

Ursachen:
❌ Uneinheitliche Schätzung
❌ Unvorhersehbare Scope-Änderungen
❌ Production-Notfälle
❌ Wechselnde Teamverfügbarkeit
❌ Schwache Sprint-Planung

Stabil (vorhersehbar):

Sprint 1: 38 Punkte
Sprint 2: 40 Punkte
Sprint 3: 39 Punkte
Sprint 4: 41 Punkte
Sprint 5: 38 Punkte

Durchschnitt: 39,2 Punkte, Varianz: ±2 Punkte

Zeichen eines gesunden Teams:
✅ Stabile Teamzusammensetzung
✅ Gute Schätzpraxis
✅ Vorhersehbarer Sprint-Umfang
✅ Effektive Sprint-Planung
✅ Wenige Production-Notfälle

Branchen-Benchmarks und Vergleiche

Velocity-Benchmarks nach Teamgröße

Kleines Team (2–3 Entwickler):

  • Typische Velocity: 20–35 Punkte/Sprint
  • Stunden pro Punkt: 4–6 Stunden
  • Sprint-Kapazität: 80–140 Netto-Stunden

Mittleres Team (4–6 Entwickler):

  • Typische Velocity: 35–60 Punkte/Sprint
  • Stunden pro Punkt: 4–5 Stunden
  • Sprint-Kapazität: 140–260 Netto-Stunden

Großes Team (7–10 Entwickler):

  • Typische Velocity: 60–100 Punkte/Sprint
  • Stunden pro Punkt: 5–7 Stunden (Koordinations-Overhead)
  • Sprint-Kapazität: 280–520 Netto-Stunden

Hinweis: Das sind grobe Orientierungswerte. Die Velocity Ihres Teams ist einzigartig und von vielen Faktoren abhängig.

Velocity nach Erfahrungsstufe

Junior-Team (< 1 Jahr Erfahrung):

  • Zunächst niedrigere Velocity
  • Verbesserungstrend zu erwarten
  • Mehr Stunden pro Punkt (Lernphase)
  • Höhere Schätzvarianz

Mid-Level-Team (1–3 Jahre Erfahrung):

  • Stabile Velocity
  • Gute Schätzgenauigkeit
  • Übliche Stunden pro Punkt
  • Gleichmäßige Lieferung

Senior-Team (3+ Jahre Erfahrung):

  • Hohe Velocity
  • Sehr gute Schätzungen
  • Weniger Stunden pro Punkt
  • Sehr gleichmäßige Lieferung

Erledigungsquoten – Benchmarks

Gesunde Erledigungsquoten:

  • 90–110 % – Sehr gut (nahe am Commitment)
  • 80–90 % – Gut (leicht unter dem Commitment)
  • 110–120 % – Übererfüllung (evtl. Unter-Schätzung)

Warnsignale:

  • < 75 % – Dauerhaftes Über-Commitment oder schlechte Schätzung
  • > 125 % – Deutliches Unter-Commitment oder aufgeblähte Schätzungen

Velocity für die Sprint-Planung nutzen

Der velocity-basierte Planungsprozess

Schritt 1: Aktuelle Velocity berechnen

Letzte 5 Sprints: 38, 42, 40, 39, 41 Punkte
Aktuelle Velocity = (38 + 42 + 40 + 39 + 41) ÷ 5 = 40 Punkte

Schritt 2: Bekannte Faktoren einrechnen

Basis-Velocity: 40 Punkte

Anpassungen:
- Teammitglied im Urlaub: −10 %
- Feiertag im Sprint: −5 %
- Neues Teammitglied: +5 % (Einarbeitung)

Angepasste Velocity = 40 × (1 − 0,10 − 0,05 + 0,05) = 36 Punkte

Schritt 3: Mit Kapazität abgleichen

Netto-Kapazität diesen Sprint: 200 Stunden
Stunden pro Punkt (historisch): 5 Stunden/Punkt
Kapazitätsbasiertes Commitment = 200 ÷ 5 = 40 Punkte

Velocity-basiert: 36 Punkte
Kapazitätsbasiert: 40 Punkte

Konservatives Commitment: 36 Punkte (niedrigeren Wert nehmen)

Schritt 4: Stories auswählen

  • Mit den höchsten Prioritäten starten
  • Stories hinzufügen bis Ziel (36 Punkte) erreicht
  • Mischung aus Größen für Flexibilität
  • Kleinen Puffer für Scope-Änderungen lassen

Schritt 5: Mit dem Team validieren

  • Wirkt das erreichbar?
  • Bedenken zu einzelnen Stories?
  • Technische Abhängigkeiten geklärt?
  • Team steht zum Commitment

Planung bei Unsicherheit

Konfidenzniveaus:

Hohe Konfidenz (80–90 % sicher):

  • Volles Velocity-Commitment
  • Gut verstandene Stories
  • Stabiles Team
  • Keine großen Unbekannten

Mittlere Konfidenz (70–80 % sicher):

  • 90 % der Velocity committen
  • Etwas Unsicherheit bei Stories
  • Teamänderungen
  • Geringe Abhängigkeiten

Niedrige Konfidenz (60–70 % sicher):

  • 75–80 % der Velocity committen
  • Deutliche Unbekannte
  • Neue Technologie oder Domäne
  • Viele Abhängigkeiten

Beispiel:

Basis-Velocity: 40 Punkte
Konfidenz: Mittel (neues Feature-Gebiet)

Konservatives Commitment = 40 × 0,9 = 36 Punkte

Praxisbeispiele

Beispiel 1: Startup-Dev-Team

Team-Profil:

  • 3 Entwickler (1 Senior, 2 Mid-Level)
  • 2-Wochen-Sprints (10 Arbeitstage)
  • Aufbau eines neuen SaaS-Produkts
  • Deutliche Velocity-Steigerung erwartet

Kapazitätsberechnung:

Brutto-Kapazität = 3 Devs × 10 Tage × 8 h = 240 Stunden
Meetings = 3 × 8 h = 24 Stunden
Admin (20 %) = 48 Stunden
Puffer (25 % – Frühphase) = 60 Stunden
Netto-Kapazität = 240 − 24 − 48 − 60 = 108 Stunden

Velocity-Tracking:

Sprint 1: 18 Punkte (5 h/Punkt = 90 Stunden)
Sprint 2: 22 Punkte (4,8 h/Punkt = 106 Stunden)
Sprint 3: 25 Punkte (4,5 h/Punkt = 113 Stunden)
Sprint 4: 28 Punkte (4,2 h/Punkt = 118 Stunden)
Sprint 5: 30 Punkte (4 h/Punkt = 120 Stunden)

Aktuelle Velocity: 24,6 Punkte/Sprint
Trend: +3 Punkte/Sprint
Nächstes Sprint-Commitment: 32 Punkte

Auswertung: ✅ Gesunder Aufwärtstrend (Team lernt Codebase)
✅ Sinkende Stunden/Punkt (steigende Effizienz)
✅ Konservativer Puffer passend für Frühphase
✅ Commitment kann mit Trend angehoben werden

Beispiel 2: Agentur-Dev-Team

Team-Profil:

  • 6 Entwickler (Kundenprojekte und Support)
  • 2-Wochen-Sprints
  • Mix aus Kundenarbeit und internen Tools
  • Puffer für Kunden-Notfälle nötig

Kapazitätsberechnung:

Brutto-Kapazität = 6 Devs × 10 Tage × 7,5 h = 450 Stunden
Meetings = 6 × 10 h = 60 Stunden
Kunden-Support (Durchschnitt) = 60 Stunden
Admin (15 %) = 68 Stunden
Puffer (15 %) = 68 Stunden
Netto-Kapazität = 450 − 60 − 60 − 68 − 68 = 194 Stunden

Velocity-Tracking:

Sprint 1: 38 Punkte (198 h erfasst)
Sprint 2: 35 Punkte (175 h – Feiertag)
Sprint 3: 40 Punkte (205 h)
Sprint 4: 32 Punkte (160 h – Production-Vorfall)
Sprint 5: 39 Punkte (195 h)

Aktuelle Velocity: 36,8 Punkte/Sprint
Anpassung diesen Sprint:
- 1 Entwickler 50 % (Kunden-Eskalation) = −10 %
- Keine Feiertage = 0 %

Nächstes Sprint-Commitment: 36,8 × 0,9 = 33 Punkte

Auswertung: ✅ Velocity-Schwankung entspricht Agentur-Realität
✅ Support-Puffer verhindert Über-Commitment
✅ Anpassungen für bekannte Einschränkungen
✅ Konservative Planung schont Kundenbeziehungen

Beispiel 3: Enterprise-Produktteam

Team-Profil:

  • 8 Entwickler (reifes Produktteam)
  • 3-Wochen-Sprints
  • Etabliertes Produkt mit Tech Debt
  • Sehr stabile Teamzusammensetzung

Kapazitätsberechnung:

Brutto-Kapazität = 8 Devs × 15 Tage × 8 h = 960 Stunden
Meetings = 8 × 12 h = 96 Stunden
Code-Review (10 %) = 96 Stunden
Admin (12 %) = 115 Stunden
Puffer (12 %) = 115 Stunden
Netto-Kapazität = 960 − 96 − 96 − 115 − 115 = 538 Stunden

Velocity-Tracking:

Sprint 1: 85 Punkte (545 h)
Sprint 2: 83 Punkte (532 h)
Sprint 3: 88 Punkte (555 h)
Sprint 4: 84 Punkte (538 h)
Sprint 5: 86 Punkte (548 h)

Aktuelle Velocity: 85,2 Punkte/Sprint
Stunden/Punkt: 6,35 h (Reife + Tech Debt)
Varianz: ±2,5 Punkte (sehr stabil)

Nächstes Sprint-Commitment: 85 Punkte

Auswertung: ✅ Hohe Stabilität spricht für reifes Team
✅ Etwas mehr Stunden/Punkt durch Code-Komplexität
✅ Vorhersehbare Lieferung ermöglicht Langfristplanung
✅ Kleiner Puffer bei geringer Unsicherheit


Typische Velocity-Fehler

Fehler 1: Velocity zwischen Teams vergleichen

Problem: „Team A hat 50 Punkte Velocity, Team B 30. Team A ist produktiver!“

Warum das falsch ist:

  • Story Points sind team-spezifisch kalibriert
  • „5 Punkte“ bei Team A ≠ „5 Punkte“ bei Team B
  • Verschiedene Domänen, verschiedene Komplexität
  • Teamgröße, Erfahrung, Tech-Stack unterscheiden sich

Stattdessen:

  • Velocity pro Team getrennt tracken
  • Trends innerhalb desselben Teams über Zeit vergleichen
  • Falls nötig Stunden-pro-Punkt zum Vergleich nutzen
  • Auf gelieferten Mehrwert fokussieren, nicht auf Velocity-Zahlen

Fehler 2: Velocity als Leistungskennzahl nutzen

Problem: „Eure Velocity ist diesen Sprint gesunken – ihr müsst schneller arbeiten!“

Warum das falsch ist:

  • Velocity dient der Planung, nicht der Leistungsbewertung
  • Als Leistungsmaß verleitet sie zum Gaming (aufgeblähte Schätzungen)
  • Natürliche Schwankung ist normal
  • Komplexitätsunterschiede zwischen Sprints werden ignoriert

Stattdessen:

  • Velocity nur für Kapazitätsplanung nutzen
  • Teams an Ergebnissen und geliefertem Wert messen
  • Trends untersuchen, nicht Einzel-Sprints
  • Vertrauen aufbauen, niedrige Velocity nicht bestrafen

Fehler 3: Druck auf höhere Velocity ausüben

Problem: „Dieses Sprint committen wir 50 Punkte – das schaffen wir!“

Warum das falsch ist:

  • Führt zu Über-Commitment und Überlastung
  • Verleitet zu Abkürzungen (Qualität leidet)
  • Schätzungen werden aufgebläht, um gut dazustehen
  • Velocity verliert als Planungsinstrument ihren Nutzen

Stattdessen:

  • Velocity akzeptieren wie sie ist
  • Auf nachhaltiges Tempo achten
  • Prozesse verbessern, damit Velocity natürlich steigt
  • Gleichmäßige Lieferung feiern, nicht hohe Zahlen

Fehler 4: Kapazitätsgrenzen ignorieren

Problem: „Unsere Velocity ist 40 Punkte, also committen wir 40 – obwohl die Hälfte des Teams im Urlaub ist.“

Warum das falsch ist:

  • Velocity setzt stabile Teamzusammensetzung voraus
  • Ändernde Umstände werden nicht berücksichtigt
  • Führt zu verfehlten Sprint-Commitments
  • Untergräbt das Vertrauen der Stakeholder

Stattdessen:

  • Velocity an bekannte Einschränkungen anpassen
  • Kapazität separat berechnen
  • Sowohl Velocity als auch Kapazität für die Planung nutzen
  • Einschränkungen offen kommunizieren

Fehler 5: Velocity nicht lange genug tracken

Problem: „Wir haben 2 Sprints gemacht – unsere Velocity ist 35 Punkte!“

Warum das falsch ist:

  • Zu kleine Stichprobe
  • Natürliche Schwankung noch nicht geglättet
  • Team kalibriert Schätzungen noch
  • Noch nicht aussagekräftig

Stattdessen:

  • Mindestens 5 Sprints tracken, bevor Sie sich auf Velocity verlassen
  • Anfangs größeren Puffer einplanen
  • Mit Verbesserung der Velocity rechnen, wenn das Team reifer wird
  • Dem Prozess Zeit geben

Vorlagen zum Herunterladen

Sprint-Velocity-Tracker (Tabellenkalkulation)

Zu erfassende Spalten:

  • Sprint-Nr. & Datum
  • Geplante Punkte
  • Erledigte Punkte
  • Erledigungsquote %
  • Erfasste Stunden
  • Stunden pro Punkt
  • Team FTE
  • Wichtige Ereignisse/Notizen
  • 3-Sprint-Gleitender Durchschnitt
  • 5-Sprint-Gleitender Durchschnitt

Formeln:

Erledigung % = (Erledigte Punkte / Geplante Punkte) × 100
Stunden pro Punkt = Erfasste Stunden / Erledigte Punkte
3-Sprint-Durchschn. = AVERAGE(letzte 3 Sprints)
5-Sprint-Durchschn. = AVERAGE(letzte 5 Sprints)

Kapazitätsplanungs-Vorlage

Pro Sprint berechnen:

  1. Teamzusammensetzung

    • Namen der Entwickler
    • Verfügbarkeit % (Urlaub etc.)
    • Faktor Erfahrungsstufe
  2. Zeitberechnungen

    • Brutto-Kapazität pro Entwickler
    • Brutto-Kapazität gesamt
    • Abzug Meeting-Zeit
    • Abzug Admin-Overhead
    • Puffer
    • Netto-Kapazität
  3. Commitment

    • Aktuelle Velocity
    • Anpassungen diesen Sprint
    • Kapazitätsbasiertes Maximum
    • Empfohlenes Commitment

Story-Point-Referenzkarte

Kalibrierung für Ihr Team:

Punkte Komplexität Beispiel-Stories Typ. Stunden
1 Trivial Config-Änderung, Textanpassung 0,5–1
2 Einfach Kleine UI-Änderung, einfacher Endpoint 2–3
3 Mittel Formularvalidierung, Query-Optimierung 4–6
5 Komplex Feature mit mehreren Komponenten 8–12
8 Sehr komplex Integration, Schema-Änderung 15–20
13 Sehr hohe Komplexität Großes Feature 25–35
21+ Epic In kleinere Stories aufteilen N/A

Integration mit Corcava

Velocity-Tracking mit Corcava

1. Sprint-Board einrichten

  • Boards pro Sprint anlegen
  • Spalten für Workflow-Phasen nutzen
  • Story-Point-Schätzungen im Aufgabenfeld „Betrag“ eintragen
  • Zeit pro Aufgabe erfassen

2. Zeiterfassungs-Integration

  • Automatische Zeiterfassung auf Aufgaben
  • Echtzeit-Berechnung Stunden pro Story Point
  • Zeitberichte nach Sprint/Board gefiltert

3. Sprint-Berichte

  • Projekt-Performance-Berichte
  • Zeit- und Aufgaben-Analysen
  • Velocity-Trends über die Zeit
  • Team-Performance-Metriken

4. Sprint-Planungs-Workflow

  • Letzte 5 Sprints in Zeitberichten prüfen
  • Velocity aus erledigten Aufgaben berechnen
  • Neues Sprint-Board anlegen
  • Aufgaben bis zum Velocity-Ziel hinzufügen
  • Team startet Zeiterfassung für den neuen Sprint

5. Kontinuierliche Verbesserung

  • Zeitdaten für Analysen exportieren
  • Schätzungen mit Ist-Zeit vergleichen
  • Muster bei Über-/Unterschätzung erkennen
  • Story-Point-Kalibrierung verfeinern

Einstieg ins Velocity-Tracking

Woche 1: Basis schaffen

Maßnahmen:

  • Sprint-Board-Struktur einrichten
  • Team in Story-Point-Schätzung schulen
  • Referenz-Stories zur Kalibrierung anlegen
  • Ersten Sprint erfassen
  • Alle Zeit auf Aufgaben erfassen

Ergebnisse:

  • Sprint-Board mit geschätzten Aufgaben
  • Einigung im Team auf Story-Point-Skala
  • Zeiterfassung gestartet

Woche 2–10: Daten sammeln

Maßnahmen:

  • 5 Sprints durchführen (2-Wochen-Sprints = 10 Wochen)
  • Nach jedem Sprint Velocity notieren
  • Stunden pro Story Point erfassen
  • Wichtige Ereignisse oder Ausreißer vermerken
  • Schätzweise vorerst beibehalten

Ergebnisse:

  • 5 Sprint-Velocity-Einträge
  • Stunden-pro-Punkt-Verhältnis
  • Erste Trends erkennbar

Ab Woche 11: Daten für die Planung nutzen

Maßnahmen:

  • Gleitenden 5-Sprint-Velocity berechnen
  • Velocity für die nächste Sprint-Planung nutzen
  • Commitment mit Kapazität vergleichen
  • Erledigungsquote tracken
  • Schätzung bei Bedarf verfeinern

Ergebnisse:

  • Velocity-basierte Sprint-Planung
  • Bessere Schätzgenauigkeit
  • Vorhersehbare Lieferung

Fazit: datengetriebene Sprint-Planung

Schluss mit Raten bei der Sprint-Kapazität. Planen Sie mit echten Daten.

Das haben Sie gelernt:

Team-Kapazität berechnen – Meetings, Overhead und Puffer einrechnen
Velocity tracken – Gleitender Durchschnitt der letzten 5 Sprints
Mit Story Points schätzen – Relatives Sizing, nicht Stunden
Realistische Sprints planen – Velocity und Kapazität nutzen
Trends beobachten – Verbesserungen oder Probleme früh erkennen
Typische Fehler vermeiden – Teams nicht vergleichen, keinen Druck auf höhere Velocity

Das Ergebnis:

  • Vorhersehbare Sprint-Lieferung
  • Stakeholder-Vertrauen in Commitments
  • Nachhaltiges Team-Tempo
  • Daten für kontinuierliche Verbesserung
  • Bessere Langfristplanung

Bereit, Velocity zu tracken?

Mit der integrierten Zeiterfassung und dem Projektmanagement von Corcava berechnen Sie automatisch die Velocity Ihres Teams, verfolgen Trends und planen realistische Sprints.

Nächste Schritte:

  1. Erstes Sprint-Board anlegen – in Corcava
  2. Mit Story Points schätzen – Fibonacci-Skala nutzen
  3. Zeit auf allen Aufgaben erfassen – automatisch oder manuell
  4. Sprint-Ergebnisse festhalten – nach jedem Sprint
  5. Velocity berechnen – nach 5 Sprints Daten für die Planung nutzen

Sprint-Planung von Bauchgefühl zu Daten: Ihr Team, Ihre Stakeholder und Ihre Nerven werden es Ihnen danken.


Weitere Ressourcen:

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