
Jan 25, 2025
Rechner für Engineering-Velocity und Kapazität
Schluss mit Raten bei der Sprint-Kapazität. Nutzen Sie echte Daten und bewährte Formeln für realistische Sprints, Velocity-Trends und planbare Liefertermine. Inkl. kostenlosem Rechner und Vorlagen.
Warum Velocity-Tracking für Dev-Teams wichtig ist
Das Sprint-Planungs-Problem:
Montagmorgen. Sprint-Planungs-Meeting. Ihr PM fragt: „Wie viele Story Points können wir uns für diesen Sprint vornehmen?“
Ohne Velocity-Daten raten Sie:
- „Vielleicht 40 Punkte? So war es beim letzten Mal …“
- „John ist im Urlaub, also eher weniger …“
- „Wir haben noch den Production-Vorfall …“
- „Sagen wir 35 Punkte, um sicherzugehen?“
Zwei Wochen später:
- 28 Punkte erledigt (20 % unter dem Commitment)
- Stakeholder sind unzufrieden mit „langsamem Fortschritt“
- Das Team fühlt sich schlecht wegen „Unterleistung“
- Nächste Sprint-Planung: dasselbe Raten
Das eigentliche Problem: Sie planen nach Gefühl, nicht nach Daten.
Die Lösung: Engineering-Velocity berechnen und tracken.
⚠️ INTERAKTIVER VELOCITY-RECHNER
[PLATZHALTER FÜR INTERAKTIVEN RECHNER]
In diesem Abschnitt wird ein interaktiver JavaScript-Rechner mit folgenden Funktionen eingebunden:
Rechner-Funktionen:
Eingabefelder:
- Teamgröße – Anzahl Entwickler im Team
- Sprint-Länge – Tage pro Sprint (typisch 10–14 Tage)
- Stunden pro Tag – Arbeitsstunden pro Entwickler und Tag
- Meeting-Zeit – Daily Standup + Planung + Retro (Stunden/Tag)
- Historische Velocity – Durchschnittliche erledigte Story Points in den letzten 3–5 Sprints
- Story-Points-zu-Stunden-Verhältnis – Durchschnittliche Stunden pro Story Point Ihres Teams
Berechnungen:
- Brutto-Kapazität = Teamgröße × Sprint-Tage × Stunden/Tag
- Meeting-Overhead = Meeting-Stunden × Sprint-Tage × Teamgröße
- Netto-Kapazität = Brutto − Meetings − Puffer (20 %)
- Empfohlenes Sprint-Commitment = basierend auf historischer Velocity
- Velocity-Trend = Letzte 5 Sprints mit Trendlinie
- Kapazität pro Entwickler = Individuelle Zuteilung
Ausgaben:
- Sprint-Kapazität in Stunden
- Empfohlenes Story-Point-Commitment
- Puffer für ungeplante Arbeit
- Kapazität pro Entwickler
- Velocity-Trend-Diagramm
- Vergleich mit Team-Benchmark
Export:
- Als PDF herunterladen
- Als CSV exportieren
- In Corcava-Projekt speichern
Engineering-Velocity verstehen
Was ist Velocity?
Definition Velocity: Velocity ist die durchschnittliche Menge an Arbeit, die ein Entwicklungsteam pro Sprint abschließt – üblicherweise in Story Points oder Stunden gemessen.
Grundbegriffe:
Story Points:
- Relatives Maß für Komplexität und Aufwand
- Keine Zeitschätzungen (bewusst abstrakt)
- Team-spezifische Kalibrierung
- Typisch Fibonacci-Folge (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21)
Velocity:
- Durchschnittliche erledigte Story Points pro Sprint
- Basiert auf den letzten 3–5 Sprints für Genauigkeit
- Team-spezifisch (nicht zwischen Teams vergleichbar)
- Verbessert sich bei stabiler Teamzusammensetzung
Kapazität:
- Verfügbare Arbeitsstunden pro Sprint
- Berücksichtigt Meetings, Overhead, Puffer
- Dient zur Absicherung von Velocity-Commitments
- Hilft bei Überlastung zu erkennen
Die Velocity-Formel
Einfache Velocity-Berechnung:
Velocity = Summe der in den letzten N Sprints erledigten Story Points ÷ N
Beispiel:
Sprint 1: 42 Punkte
Sprint 2: 38 Punkte
Sprint 3: 45 Punkte
Sprint 4: 40 Punkte
Sprint 5: 43 Punkte
Velocity = (42 + 38 + 45 + 40 + 43) ÷ 5 = 41,6 Punkte/Sprint
Kapazitätsberechnung:
Brutto-Kapazität = Teamgröße × Sprint-Tage × Stunden/Tag
Netto-Kapazität = Brutto-Kapazität − Meetings − Admin − Puffer
Beispiel (5 Personen, 10-Tage-Sprint):
Brutto = 5 Entwickler × 10 Tage × 8 h = 400 Stunden
Meetings = 5 Devs × 10 Tage × 1,5 h = 75 Stunden
Admin-Overhead = 10 % × 400 = 40 Stunden
Puffer (20 %) = 80 Stunden
Netto-Kapazität = 400 − 75 − 40 − 80 = 205 Stunden
Umrechnung Story Points in Stunden:
Stunden pro Punkt = Erfasste Gesamtstunden ÷ Erledigte Story Points
Beispiel vom letzten Sprint:
Erfasste Zeit: 210 Stunden
Erledigte Story Points: 42 Punkte
Stunden/Punkt = 210 ÷ 42 = 5 Stunden/Punkt
Für den nächsten Sprint:
Netto-Kapazität: 205 Stunden
Commitment = 205 ÷ 5 = 41 Story Points
Team-Kapazität berechnen
Der Kapazitätsplanungs-Rahmen
Schritt 1: Brutto-Kapazität berechnen
Das theoretische Maximum, wenn alle 100 % der Zeit arbeiten:
Brutto-Kapazität = Teamgröße × Sprint-Tage × Stunden pro Tag
Beispiele:
3 Personen, 2-Wochen-Sprint (10 Tage), 8-Stunden-Tage:
= 3 × 10 × 8 = 240 Stunden
5 Personen, 2-Wochen-Sprint (10 Tage), 8-Stunden-Tage:
= 5 × 10 × 8 = 400 Stunden
8 Personen, 3-Wochen-Sprint (15 Tage), 7-Stunden-Tage:
= 8 × 15 × 7 = 840 Stunden
Schritt 2: Meeting-Zeit abziehen
Alle Team-Ceremonies einplanen:
Typische Meeting-Zeit pro Sprint:
- Daily Standup: 15 Min/Tag × Sprint-Tage = 2,5 h (10-Tage-Sprint)
- Sprint-Planung: 2 Stunden
- Sprint-Review/Demo: 1 Stunde
- Retrospektive: 1 Stunde
- Refinement/Grooming: 2 Stunden
- Summe: ca. 8,5 Stunden pro Entwickler und Sprint
Bei 10-Tage-Sprint, 5 Entwickler:
Meeting-Zeit = 8,5 h × 5 Entwickler = 42,5 Stunden
Schritt 3: Administrativen Overhead abziehen
Nicht-Entwicklungsarbeit berücksichtigen:
Typischer Admin-Overhead:
- Code-Reviews: 5–10 % der Kapazität
- E-Mails und Slack: 5–10 % der Kapazität
- Teamkoordination: 2–5 % der Kapazität
- Dokumentation: 2–5 % der Kapazität
- Summe: 15–25 % der Brutto-Kapazität
Bei 400 h Brutto-Kapazität:
Admin-Overhead = 20 % × 400 = 80 Stunden
Schritt 4: Puffer für Unvorhergesehenes
Production-Vorfälle, dringende Bugs, Scope-Änderungen einplanen:
Typischer Puffer:
- Reifes Produkt: 10–15 %
- Wachsendes Produkt: 15–20 %
- Frühphase: 20–30 %
Bei etabliertem Produkt:
Puffer = 15 % × 400 = 60 Stunden
Schritt 5: Netto-Kapazität berechnen
Netto-Kapazität = Brutto − Meetings − Admin − Puffer
Netto = 400 − 42,5 − 80 − 60 = 217,5 Stunden
Das ist Ihre realistische Sprint-Kapazität.
Team-Varianten berücksichtigen
Teilzeit-Mitarbeiter:
Entwickler mit 50 % Kapazität:
Beitrag = 0,5 × (Sprint-Tage × Stunden/Tag)
= 0,5 × (10 × 8) = 40 Stunden Brutto-Kapazität
Urlaub und Abwesenheit:
Entwickler mit 3 Tagen Urlaub in 10-Tage-Sprint:
Verfügbare Tage = 10 − 3 = 7 Tage
Beitrag = 7 × 8 = 56 Stunden Brutto-Kapazität
Neue Teammitglieder:
Erster Sprint: 25–50 % Produktivität (Onboarding)
Zweiter Sprint: 50–75 % Produktivität
Dritter Sprint: 75–90 % Produktivität
Vierter Sprint: ca. 100 % Produktivität
Neuer Entwickler im ersten Sprint:
Beitrag = 0,4 × (10 × 8) = 32 Stunden Brutto-Kapazität
Verschiedene Erfahrungsstufen:
Senior: Faktor 1,2 (schneller, weniger Blocker)
Mid-Level: 1,0 (Referenz)
Junior: Faktor 0,7 (Einarbeitung, braucht Review)
Effektive Kapazität:
2 Seniors: 2 × 1,2 × 80 = 192 Stunden
2 Mid-Level: 2 × 1,0 × 80 = 160 Stunden
1 Junior: 1 × 0,7 × 80 = 56 Stunden
Summe: 408 Stunden Brutto (bei 5 × 80 = 400)
Story-Point-Schätzung: Leitfaden
Was sind Story Points?
Story Points sind NICHT:
- ❌ Stunden oder Tage
- ❌ Kalenderzeit
- ❌ Nur Komplexität
- ❌ Zwischen Teams vergleichbar
Story Points SIND:
- ✅ Relative Aufwandsschätzungen
- ✅ Mix aus Komplexität, Aufwand und Unsicherheit
- ✅ Team-spezifisch kalibriert
- ✅ Instrument für Planung und Prognose
Die Fibonacci-Skala
Warum Fibonacci? (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34)
Die wachsenden Abstände spiegeln wachsende Unsicherheit bei größeren Schätzungen wider:
1 Punkt – Trivial
- Einfache Config-Änderung
- Einzeiliger Bugfix
- Textanpassung
- ca. 1 Stunde Arbeit
2 Punkte – Einfach
- Kleine UI-Änderung
- Einfache Formularvalidierung
- Einfacher API-Endpoint
- ca. 2–3 Stunden Arbeit
3 Punkte – Mittel
- Neue Seite mit bestehenden Komponenten
- Datenbankabfrage optimieren
- Mehrstufiges Formular
- ca. 4–6 Stunden Arbeit
5 Punkte – Komplex
- Neues Feature mit mehreren Komponenten
- Komplexe Business-Logik
- Datenbankschema-Änderung
- ca. 8–12 Stunden Arbeit
8 Punkte – Sehr komplex
- Mehrseitiges Feature
- Anbindung externer Dienste
- Größeres Refactoring
- ca. 15–20 Stunden Arbeit
13 Punkte – Sehr hohe Komplexität
- Großes Feature über mehrere Bereiche
- Neue Architekturkomponente
- Komplexe Integration
- ca. 25–35 Stunden Arbeit
21+ Punkte – Epic
- Zu groß – sollte zerlegt werden
- Arbeit über mehrere Sprints
- Sollte in kleinere Stories aufgeteilt werden
Schätz-Best-Practices
1. Referenz-Stories nutzen
- 3–5 „Kalibrier-Stories“ mit verschiedenen Punktwerten festlegen
- z. B. „3 Punkte ist wie beim Export-Feature“
- Neue Stories an Referenz-Stories anlegen
2. Planning Poker
- Das Team schätzt gemeinsam
- Alle zeigen ihre Schätzung gleichzeitig (Ankereffekt vermeiden)
- Abweichungen besprechen
- Auf gemeinsame Schätzung einigen
3. Alle Faktoren einbeziehen
- Komplexität – Wie anspruchsvoll ist der Code?
- Aufwand – Wie viel Arbeit ist nötig?
- Unsichereit – Wie gut verstehen wir die Anforderung?
- Abhängigkeiten – Was muss vorher passieren?
4. Im Zweifel höher schätzen
- Größere Schätzung enthält Puffer
- Besser über- als unterliefern
- Unsicherheit erhöht die Schätzung
5. Ist-Zeit erfassen
- Story Points mit erfassten Stunden vergleichen
- Stunden-pro-Punkt-Verhältnis des Teams berechnen
- Daten für bessere künftige Schätzungen nutzen
Velocity-Tracking und Trends
Sprint-Velocity erfassen
Was erfassen:
Nach jedem Sprint notieren:
- Geplante Story Points – was geplant war
- Erledigte Story Points – was fertig wurde
- Erledigungsquote – Erledigt ÷ Geplant
- Erfasste Gesamtstunden – tatsächlich investierte Zeit
- Stunden pro Punkt – Stunden ÷ erledigte Punkte
- Teamgröße – FTE im Sprint
- Wichtige Ereignisse – Feiertage, Production-Vorfälle, Teamänderungen
Beispiel-Sprint-Eintrag:
Sprint 12 (10.–21. Jan. 2025):
- Geplant: 42 Punkte
- Erledigt: 38 Punkte
- Erledigung: 90 %
- Erfasste Stunden: 195
- Stunden/Punkt: 5,1
- Team: 4,5 FTE (1 Person 50 % im Support)
- Ereignisse: 2 Feiertage, kleiner Production-Vorfall (4 h)
Gleitende Velocity berechnen
Warum gleitender Durchschnitt?
- Glättet Sprint-zu-Sprint-Schwankungen
- Aussagekräftiger als ein einzelner Sprint
- Zeigt das nachhaltige Tempo des Teams
3-Sprint-Durchschnitt:
Sprint 10: 35 Punkte
Sprint 11: 42 Punkte
Sprint 12: 38 Punkte
Velocity = (35 + 42 + 38) ÷ 3 = 38,3 Punkte/Sprint
5-Sprint-Durchschnitt (empfohlen):
Sprint 8: 40 Punkte
Sprint 9: 38 Punkte
Sprint 10: 35 Punkte
Sprint 11: 42 Punkte
Sprint 12: 38 Punkte
Velocity = (40 + 38 + 35 + 42 + 38) ÷ 5 = 38,6 Punkte/Sprint
Velocity-Trends und Muster
Aufwärtstrend (Verbesserung):
Sprint 1: 30 Punkte
Sprint 2: 34 Punkte
Sprint 3: 37 Punkte
Sprint 4: 40 Punkte
Sprint 5: 42 Punkte
Trend: +3 Punkte/Sprint
Ursachen:
✅ Team gewinnt Codebase-Erfahrung
✅ Bessere Schätzgenauigkeit
✅ Verbesserte Entwicklungsprozesse
✅ Weniger technische Schulden
Abwärtstrend (Rückgang):
Sprint 1: 45 Punkte
Sprint 2: 42 Punkte
Sprint 3: 38 Punkte
Sprint 4: 35 Punkte
Sprint 5: 32 Punkte
Trend: −3,25 Punkte/Sprint
Mögliche Ursachen:
❌ Technische Schulden bremsen Entwicklung
❌ Steigende Code-Komplexität
❌ Überlastung oder Stimmung im Team
❌ Mehr Production-Support
❌ Verlust erfahrener Teammitglieder
Volatil (instabil):
Sprint 1: 40 Punkte
Sprint 2: 28 Punkte
Sprint 3: 45 Punkte
Sprint 4: 30 Punkte
Sprint 5: 43 Punkte
Varianz: ±15 Punkte
Ursachen:
❌ Uneinheitliche Schätzung
❌ Unvorhersehbare Scope-Änderungen
❌ Production-Notfälle
❌ Wechselnde Teamverfügbarkeit
❌ Schwache Sprint-Planung
Stabil (vorhersehbar):
Sprint 1: 38 Punkte
Sprint 2: 40 Punkte
Sprint 3: 39 Punkte
Sprint 4: 41 Punkte
Sprint 5: 38 Punkte
Durchschnitt: 39,2 Punkte, Varianz: ±2 Punkte
Zeichen eines gesunden Teams:
✅ Stabile Teamzusammensetzung
✅ Gute Schätzpraxis
✅ Vorhersehbarer Sprint-Umfang
✅ Effektive Sprint-Planung
✅ Wenige Production-Notfälle
Branchen-Benchmarks und Vergleiche
Velocity-Benchmarks nach Teamgröße
Kleines Team (2–3 Entwickler):
- Typische Velocity: 20–35 Punkte/Sprint
- Stunden pro Punkt: 4–6 Stunden
- Sprint-Kapazität: 80–140 Netto-Stunden
Mittleres Team (4–6 Entwickler):
- Typische Velocity: 35–60 Punkte/Sprint
- Stunden pro Punkt: 4–5 Stunden
- Sprint-Kapazität: 140–260 Netto-Stunden
Großes Team (7–10 Entwickler):
- Typische Velocity: 60–100 Punkte/Sprint
- Stunden pro Punkt: 5–7 Stunden (Koordinations-Overhead)
- Sprint-Kapazität: 280–520 Netto-Stunden
Hinweis: Das sind grobe Orientierungswerte. Die Velocity Ihres Teams ist einzigartig und von vielen Faktoren abhängig.
Velocity nach Erfahrungsstufe
Junior-Team (< 1 Jahr Erfahrung):
- Zunächst niedrigere Velocity
- Verbesserungstrend zu erwarten
- Mehr Stunden pro Punkt (Lernphase)
- Höhere Schätzvarianz
Mid-Level-Team (1–3 Jahre Erfahrung):
- Stabile Velocity
- Gute Schätzgenauigkeit
- Übliche Stunden pro Punkt
- Gleichmäßige Lieferung
Senior-Team (3+ Jahre Erfahrung):
- Hohe Velocity
- Sehr gute Schätzungen
- Weniger Stunden pro Punkt
- Sehr gleichmäßige Lieferung
Erledigungsquoten – Benchmarks
Gesunde Erledigungsquoten:
- 90–110 % – Sehr gut (nahe am Commitment)
- 80–90 % – Gut (leicht unter dem Commitment)
- 110–120 % – Übererfüllung (evtl. Unter-Schätzung)
Warnsignale:
- < 75 % – Dauerhaftes Über-Commitment oder schlechte Schätzung
- > 125 % – Deutliches Unter-Commitment oder aufgeblähte Schätzungen
Velocity für die Sprint-Planung nutzen
Der velocity-basierte Planungsprozess
Schritt 1: Aktuelle Velocity berechnen
Letzte 5 Sprints: 38, 42, 40, 39, 41 Punkte
Aktuelle Velocity = (38 + 42 + 40 + 39 + 41) ÷ 5 = 40 Punkte
Schritt 2: Bekannte Faktoren einrechnen
Basis-Velocity: 40 Punkte
Anpassungen:
- Teammitglied im Urlaub: −10 %
- Feiertag im Sprint: −5 %
- Neues Teammitglied: +5 % (Einarbeitung)
Angepasste Velocity = 40 × (1 − 0,10 − 0,05 + 0,05) = 36 Punkte
Schritt 3: Mit Kapazität abgleichen
Netto-Kapazität diesen Sprint: 200 Stunden
Stunden pro Punkt (historisch): 5 Stunden/Punkt
Kapazitätsbasiertes Commitment = 200 ÷ 5 = 40 Punkte
Velocity-basiert: 36 Punkte
Kapazitätsbasiert: 40 Punkte
Konservatives Commitment: 36 Punkte (niedrigeren Wert nehmen)
Schritt 4: Stories auswählen
- Mit den höchsten Prioritäten starten
- Stories hinzufügen bis Ziel (36 Punkte) erreicht
- Mischung aus Größen für Flexibilität
- Kleinen Puffer für Scope-Änderungen lassen
Schritt 5: Mit dem Team validieren
- Wirkt das erreichbar?
- Bedenken zu einzelnen Stories?
- Technische Abhängigkeiten geklärt?
- Team steht zum Commitment
Planung bei Unsicherheit
Konfidenzniveaus:
Hohe Konfidenz (80–90 % sicher):
- Volles Velocity-Commitment
- Gut verstandene Stories
- Stabiles Team
- Keine großen Unbekannten
Mittlere Konfidenz (70–80 % sicher):
- 90 % der Velocity committen
- Etwas Unsicherheit bei Stories
- Teamänderungen
- Geringe Abhängigkeiten
Niedrige Konfidenz (60–70 % sicher):
- 75–80 % der Velocity committen
- Deutliche Unbekannte
- Neue Technologie oder Domäne
- Viele Abhängigkeiten
Beispiel:
Basis-Velocity: 40 Punkte
Konfidenz: Mittel (neues Feature-Gebiet)
Konservatives Commitment = 40 × 0,9 = 36 Punkte
Praxisbeispiele
Beispiel 1: Startup-Dev-Team
Team-Profil:
- 3 Entwickler (1 Senior, 2 Mid-Level)
- 2-Wochen-Sprints (10 Arbeitstage)
- Aufbau eines neuen SaaS-Produkts
- Deutliche Velocity-Steigerung erwartet
Kapazitätsberechnung:
Brutto-Kapazität = 3 Devs × 10 Tage × 8 h = 240 Stunden
Meetings = 3 × 8 h = 24 Stunden
Admin (20 %) = 48 Stunden
Puffer (25 % – Frühphase) = 60 Stunden
Netto-Kapazität = 240 − 24 − 48 − 60 = 108 Stunden
Velocity-Tracking:
Sprint 1: 18 Punkte (5 h/Punkt = 90 Stunden)
Sprint 2: 22 Punkte (4,8 h/Punkt = 106 Stunden)
Sprint 3: 25 Punkte (4,5 h/Punkt = 113 Stunden)
Sprint 4: 28 Punkte (4,2 h/Punkt = 118 Stunden)
Sprint 5: 30 Punkte (4 h/Punkt = 120 Stunden)
Aktuelle Velocity: 24,6 Punkte/Sprint
Trend: +3 Punkte/Sprint
Nächstes Sprint-Commitment: 32 Punkte
Auswertung: ✅ Gesunder Aufwärtstrend (Team lernt Codebase)
✅ Sinkende Stunden/Punkt (steigende Effizienz)
✅ Konservativer Puffer passend für Frühphase
✅ Commitment kann mit Trend angehoben werden
Beispiel 2: Agentur-Dev-Team
Team-Profil:
- 6 Entwickler (Kundenprojekte und Support)
- 2-Wochen-Sprints
- Mix aus Kundenarbeit und internen Tools
- Puffer für Kunden-Notfälle nötig
Kapazitätsberechnung:
Brutto-Kapazität = 6 Devs × 10 Tage × 7,5 h = 450 Stunden
Meetings = 6 × 10 h = 60 Stunden
Kunden-Support (Durchschnitt) = 60 Stunden
Admin (15 %) = 68 Stunden
Puffer (15 %) = 68 Stunden
Netto-Kapazität = 450 − 60 − 60 − 68 − 68 = 194 Stunden
Velocity-Tracking:
Sprint 1: 38 Punkte (198 h erfasst)
Sprint 2: 35 Punkte (175 h – Feiertag)
Sprint 3: 40 Punkte (205 h)
Sprint 4: 32 Punkte (160 h – Production-Vorfall)
Sprint 5: 39 Punkte (195 h)
Aktuelle Velocity: 36,8 Punkte/Sprint
Anpassung diesen Sprint:
- 1 Entwickler 50 % (Kunden-Eskalation) = −10 %
- Keine Feiertage = 0 %
Nächstes Sprint-Commitment: 36,8 × 0,9 = 33 Punkte
Auswertung: ✅ Velocity-Schwankung entspricht Agentur-Realität
✅ Support-Puffer verhindert Über-Commitment
✅ Anpassungen für bekannte Einschränkungen
✅ Konservative Planung schont Kundenbeziehungen
Beispiel 3: Enterprise-Produktteam
Team-Profil:
- 8 Entwickler (reifes Produktteam)
- 3-Wochen-Sprints
- Etabliertes Produkt mit Tech Debt
- Sehr stabile Teamzusammensetzung
Kapazitätsberechnung:
Brutto-Kapazität = 8 Devs × 15 Tage × 8 h = 960 Stunden
Meetings = 8 × 12 h = 96 Stunden
Code-Review (10 %) = 96 Stunden
Admin (12 %) = 115 Stunden
Puffer (12 %) = 115 Stunden
Netto-Kapazität = 960 − 96 − 96 − 115 − 115 = 538 Stunden
Velocity-Tracking:
Sprint 1: 85 Punkte (545 h)
Sprint 2: 83 Punkte (532 h)
Sprint 3: 88 Punkte (555 h)
Sprint 4: 84 Punkte (538 h)
Sprint 5: 86 Punkte (548 h)
Aktuelle Velocity: 85,2 Punkte/Sprint
Stunden/Punkt: 6,35 h (Reife + Tech Debt)
Varianz: ±2,5 Punkte (sehr stabil)
Nächstes Sprint-Commitment: 85 Punkte
Auswertung: ✅ Hohe Stabilität spricht für reifes Team
✅ Etwas mehr Stunden/Punkt durch Code-Komplexität
✅ Vorhersehbare Lieferung ermöglicht Langfristplanung
✅ Kleiner Puffer bei geringer Unsicherheit
Typische Velocity-Fehler
Fehler 1: Velocity zwischen Teams vergleichen
Problem: „Team A hat 50 Punkte Velocity, Team B 30. Team A ist produktiver!“
Warum das falsch ist:
- Story Points sind team-spezifisch kalibriert
- „5 Punkte“ bei Team A ≠ „5 Punkte“ bei Team B
- Verschiedene Domänen, verschiedene Komplexität
- Teamgröße, Erfahrung, Tech-Stack unterscheiden sich
Stattdessen:
- Velocity pro Team getrennt tracken
- Trends innerhalb desselben Teams über Zeit vergleichen
- Falls nötig Stunden-pro-Punkt zum Vergleich nutzen
- Auf gelieferten Mehrwert fokussieren, nicht auf Velocity-Zahlen
Fehler 2: Velocity als Leistungskennzahl nutzen
Problem: „Eure Velocity ist diesen Sprint gesunken – ihr müsst schneller arbeiten!“
Warum das falsch ist:
- Velocity dient der Planung, nicht der Leistungsbewertung
- Als Leistungsmaß verleitet sie zum Gaming (aufgeblähte Schätzungen)
- Natürliche Schwankung ist normal
- Komplexitätsunterschiede zwischen Sprints werden ignoriert
Stattdessen:
- Velocity nur für Kapazitätsplanung nutzen
- Teams an Ergebnissen und geliefertem Wert messen
- Trends untersuchen, nicht Einzel-Sprints
- Vertrauen aufbauen, niedrige Velocity nicht bestrafen
Fehler 3: Druck auf höhere Velocity ausüben
Problem: „Dieses Sprint committen wir 50 Punkte – das schaffen wir!“
Warum das falsch ist:
- Führt zu Über-Commitment und Überlastung
- Verleitet zu Abkürzungen (Qualität leidet)
- Schätzungen werden aufgebläht, um gut dazustehen
- Velocity verliert als Planungsinstrument ihren Nutzen
Stattdessen:
- Velocity akzeptieren wie sie ist
- Auf nachhaltiges Tempo achten
- Prozesse verbessern, damit Velocity natürlich steigt
- Gleichmäßige Lieferung feiern, nicht hohe Zahlen
Fehler 4: Kapazitätsgrenzen ignorieren
Problem: „Unsere Velocity ist 40 Punkte, also committen wir 40 – obwohl die Hälfte des Teams im Urlaub ist.“
Warum das falsch ist:
- Velocity setzt stabile Teamzusammensetzung voraus
- Ändernde Umstände werden nicht berücksichtigt
- Führt zu verfehlten Sprint-Commitments
- Untergräbt das Vertrauen der Stakeholder
Stattdessen:
- Velocity an bekannte Einschränkungen anpassen
- Kapazität separat berechnen
- Sowohl Velocity als auch Kapazität für die Planung nutzen
- Einschränkungen offen kommunizieren
Fehler 5: Velocity nicht lange genug tracken
Problem: „Wir haben 2 Sprints gemacht – unsere Velocity ist 35 Punkte!“
Warum das falsch ist:
- Zu kleine Stichprobe
- Natürliche Schwankung noch nicht geglättet
- Team kalibriert Schätzungen noch
- Noch nicht aussagekräftig
Stattdessen:
- Mindestens 5 Sprints tracken, bevor Sie sich auf Velocity verlassen
- Anfangs größeren Puffer einplanen
- Mit Verbesserung der Velocity rechnen, wenn das Team reifer wird
- Dem Prozess Zeit geben
Vorlagen zum Herunterladen
Sprint-Velocity-Tracker (Tabellenkalkulation)
Zu erfassende Spalten:
- Sprint-Nr. & Datum
- Geplante Punkte
- Erledigte Punkte
- Erledigungsquote %
- Erfasste Stunden
- Stunden pro Punkt
- Team FTE
- Wichtige Ereignisse/Notizen
- 3-Sprint-Gleitender Durchschnitt
- 5-Sprint-Gleitender Durchschnitt
Formeln:
Erledigung % = (Erledigte Punkte / Geplante Punkte) × 100
Stunden pro Punkt = Erfasste Stunden / Erledigte Punkte
3-Sprint-Durchschn. = AVERAGE(letzte 3 Sprints)
5-Sprint-Durchschn. = AVERAGE(letzte 5 Sprints)
Kapazitätsplanungs-Vorlage
Pro Sprint berechnen:
Teamzusammensetzung
- Namen der Entwickler
- Verfügbarkeit % (Urlaub etc.)
- Faktor Erfahrungsstufe
Zeitberechnungen
- Brutto-Kapazität pro Entwickler
- Brutto-Kapazität gesamt
- Abzug Meeting-Zeit
- Abzug Admin-Overhead
- Puffer
- Netto-Kapazität
Commitment
- Aktuelle Velocity
- Anpassungen diesen Sprint
- Kapazitätsbasiertes Maximum
- Empfohlenes Commitment
Story-Point-Referenzkarte
Kalibrierung für Ihr Team:
| Punkte | Komplexität | Beispiel-Stories | Typ. Stunden |
|---|---|---|---|
| 1 | Trivial | Config-Änderung, Textanpassung | 0,5–1 |
| 2 | Einfach | Kleine UI-Änderung, einfacher Endpoint | 2–3 |
| 3 | Mittel | Formularvalidierung, Query-Optimierung | 4–6 |
| 5 | Komplex | Feature mit mehreren Komponenten | 8–12 |
| 8 | Sehr komplex | Integration, Schema-Änderung | 15–20 |
| 13 | Sehr hohe Komplexität | Großes Feature | 25–35 |
| 21+ | Epic | In kleinere Stories aufteilen | N/A |
Integration mit Corcava
Velocity-Tracking mit Corcava
1. Sprint-Board einrichten
- Boards pro Sprint anlegen
- Spalten für Workflow-Phasen nutzen
- Story-Point-Schätzungen im Aufgabenfeld „Betrag“ eintragen
- Zeit pro Aufgabe erfassen
2. Zeiterfassungs-Integration
- Automatische Zeiterfassung auf Aufgaben
- Echtzeit-Berechnung Stunden pro Story Point
- Zeitberichte nach Sprint/Board gefiltert
3. Sprint-Berichte
- Projekt-Performance-Berichte
- Zeit- und Aufgaben-Analysen
- Velocity-Trends über die Zeit
- Team-Performance-Metriken
4. Sprint-Planungs-Workflow
- Letzte 5 Sprints in Zeitberichten prüfen
- Velocity aus erledigten Aufgaben berechnen
- Neues Sprint-Board anlegen
- Aufgaben bis zum Velocity-Ziel hinzufügen
- Team startet Zeiterfassung für den neuen Sprint
5. Kontinuierliche Verbesserung
- Zeitdaten für Analysen exportieren
- Schätzungen mit Ist-Zeit vergleichen
- Muster bei Über-/Unterschätzung erkennen
- Story-Point-Kalibrierung verfeinern
Einstieg ins Velocity-Tracking
Woche 1: Basis schaffen
Maßnahmen:
- Sprint-Board-Struktur einrichten
- Team in Story-Point-Schätzung schulen
- Referenz-Stories zur Kalibrierung anlegen
- Ersten Sprint erfassen
- Alle Zeit auf Aufgaben erfassen
Ergebnisse:
- Sprint-Board mit geschätzten Aufgaben
- Einigung im Team auf Story-Point-Skala
- Zeiterfassung gestartet
Woche 2–10: Daten sammeln
Maßnahmen:
- 5 Sprints durchführen (2-Wochen-Sprints = 10 Wochen)
- Nach jedem Sprint Velocity notieren
- Stunden pro Story Point erfassen
- Wichtige Ereignisse oder Ausreißer vermerken
- Schätzweise vorerst beibehalten
Ergebnisse:
- 5 Sprint-Velocity-Einträge
- Stunden-pro-Punkt-Verhältnis
- Erste Trends erkennbar
Ab Woche 11: Daten für die Planung nutzen
Maßnahmen:
- Gleitenden 5-Sprint-Velocity berechnen
- Velocity für die nächste Sprint-Planung nutzen
- Commitment mit Kapazität vergleichen
- Erledigungsquote tracken
- Schätzung bei Bedarf verfeinern
Ergebnisse:
- Velocity-basierte Sprint-Planung
- Bessere Schätzgenauigkeit
- Vorhersehbare Lieferung
Fazit: datengetriebene Sprint-Planung
Schluss mit Raten bei der Sprint-Kapazität. Planen Sie mit echten Daten.
Das haben Sie gelernt:
✅ Team-Kapazität berechnen – Meetings, Overhead und Puffer einrechnen
✅ Velocity tracken – Gleitender Durchschnitt der letzten 5 Sprints
✅ Mit Story Points schätzen – Relatives Sizing, nicht Stunden
✅ Realistische Sprints planen – Velocity und Kapazität nutzen
✅ Trends beobachten – Verbesserungen oder Probleme früh erkennen
✅ Typische Fehler vermeiden – Teams nicht vergleichen, keinen Druck auf höhere Velocity
Das Ergebnis:
- Vorhersehbare Sprint-Lieferung
- Stakeholder-Vertrauen in Commitments
- Nachhaltiges Team-Tempo
- Daten für kontinuierliche Verbesserung
- Bessere Langfristplanung
Bereit, Velocity zu tracken?
Mit der integrierten Zeiterfassung und dem Projektmanagement von Corcava berechnen Sie automatisch die Velocity Ihres Teams, verfolgen Trends und planen realistische Sprints.
Nächste Schritte:
- Erstes Sprint-Board anlegen – in Corcava
- Mit Story Points schätzen – Fibonacci-Skala nutzen
- Zeit auf allen Aufgaben erfassen – automatisch oder manuell
- Sprint-Ergebnisse festhalten – nach jedem Sprint
- Velocity berechnen – nach 5 Sprints Daten für die Planung nutzen
Sprint-Planung von Bauchgefühl zu Daten: Ihr Team, Ihre Stakeholder und Ihre Nerven werden es Ihnen danken.
Weitere Ressourcen:
- Sprint-Planung in Corcava
- Automatische vs. manuelle Zeiterfassung
- Projektmanagement-Dokumentation
- Zeiterfassung & Berichte
- Team-Performance-Analysen
Bereit zum Start?Jetzt bei Corcava registrieren und die Engineering-Velocity Ihres Teams tracken.
