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Rechnung versenden (und tatsächlich pünktlich bezahlt werden)

Mar 15, 2026

Geschrieben von Gregory Shein, CEO und Gründer

Rechnung versenden (und tatsächlich pünktlich bezahlt werden)

Eine Rechnung zu versenden heißt nicht nur, ein PDF zu mailen. Zeitpunkt, Format, Zahlungsbedingungen und Follow-up-Rhythmus entscheiden, ob Sie in 15 Tagen bezahlt werden oder 90 Tage hinterherlaufen. Hier ist das komplette System.


Die meisten Freelancer und Agenturen behandeln die Rechnungsstellung als Nachgedanken. Arbeit fertig, PDF anhängen, E-Mail raus, hoffen, dass das Geld kommt. Irgendwann kommt es meist — aber spät. Durchschnittlich warten Freelancer 30–45 Tage auf Zahlung, Agenturen 45–60 Tage. Das ist kein „Kundenproblem“. Es ist ein Prozessproblem. Ob Sie in 15 Tagen oder 60 Tagen hinterherlaufen, hängt fast nie daran, ob der Kunde „gut“ oder „schwierig“ ist. Es hängt davon ab, wie Sie abrechnen: was draufsteht, wann Sie senden, welche Bedingungen Sie setzen und was passiert, wenn nach Fälligkeit nichts kommt. Dieser Leitfaden beschreibt das komplette System — vom Inhalt der Rechnung bis zum Vorgehen bei Nichtzahlung.


Schritt 1: Was jede Rechnung enthalten muss

Fehlende Angaben erzeugen Reibung. Die Buchhaltung des Kunden kann die Rechnung nicht verbuchen — sie liegt in einem Postfach, bis jemand nachfragt. Diese Verzögerung ist vermeidbar.

Jede Rechnung sollte enthalten:

  • Ihr Firmenname, Adresse und Kontaktdaten. Als Einzelunternehmer: Geschäftsname (oder amtlicher Name). E-Mail und Telefon nicht vergessen.
  • Firmenname des Kunden und Rechnungskontakt. „Acme Inc.“ ist in vielen Systemen nicht dasselbe wie „Acme Corp“. Fragen Sie bei Onboarding nach dem exakten Rechnungsnamen und der Adresse.
  • Eindeutige Rechnungsnummer. Fortlaufend: RE-001, RE-002, RE-003. Nummern nie doppelt verwenden — das erleichtert Abstimmung und Steuern.
  • Rechnungsdatum und Fälligkeitsdatum. Rechnungsdatum = Ausstellungsdatum. Fälligkeit = wann Zahlung erwartet wird. Schreiben Sie nicht nur „Netto 30“, sondern das konkrete Kalenderdatum.
  • Positionen mit Beschreibung. Pro Position: Leistungsbeschreibung, Menge oder Stunden, Preis, Zeilensumme. „Website-Entwicklung — 40 h à 150 €/h = 6.000 €“ ist klar. „Entwicklung — 6.000 €“ nicht.
  • Zwischensumme, Steuern (falls zutreffend) und Gesamtbetrag. Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer separat ausweisen. Der Gesamtbetrag muss eindeutig sein.
  • Zahlungsinformationen. Bankverbindung, PayPal, Stripe-Link — je einfacher, desto besser. Wenn der Kunde erst mailen muss: „Wohin überweise ich?“, haben Sie schon Tage verloren.
  • Verzugsregelungen. Auf jeder Rechnung: z. B. „Bei Zahlungsverzug über 30 Tage werden Verzugszinsen in Höhe von X % p. a. berechnet.“ Sie müssen sie selten durchsetzen — allein die Klausel ändert das Verhalten.

Brauchen Sie eine Vorlage? Laden Sie die Rechnungsvorlage für Freelancer oder die Rechnungsvorlage für Beratung herunter — mit allen wichtigen Feldern.


Schritt 2: Wann Sie die Rechnung senden

Der Zeitpunkt ist der größte Hebel, den Sie steuern. Jeder Tag, den Sie mit dem Versand warten, verlängert Ihre Zahlungsfrist. Arbeit fertig am Dienstag, Rechnung erst Montag — schon fünf Tage zusätzlich, bevor der Zahlungszyklus des Kunden überhaupt startet.

Meilensteinabrechnung: Rechnung am selben Tag wie die Lieferung des Meilensteins — nicht am nächsten Tag, nicht Ende der Woche. Verknüpfen Sie Zahlung und Leistung, damit klar ist, wofür gezahlt wird.

Monatliche Retainer: Für Vorauszahlung z. B. am 1. des Monats; für Nachleistung am letzten Tag des Monats. Regelmäßigkeit hilft — wenn die Buchhaltung weiß, dass Ihre Rechnung immer am 1. kommt, wird sie eingeplant.

Stundenabrechnung: Wöchentlich oder zweiwöchentlich abrechnen. Eine dicke Monatsrechnung am Ende erhöht Sticker-Shock, Diskussionen und Genehmigungsverzögerung. Kleinere, häufigere Rechnungen werden schneller freigegeben.

Die goldene Regel: Je länger Sie mit dem Versand warten, desto länger warten Sie auf Geld. Ihre Verzögerung wird zur Verzögerung des Kunden. Bei Netto 15, aber einer Woche später Versand, haben Sie faktisch Netto 22 — und das summiert sich über jeden Zyklus.


Schritt 3: Zahlungsbedingungen, die funktionieren

Zahlungsbedingungen sind keine Bürokratie — sie sind die Spielregeln für wann und wie Sie bezahlt werden. Legen Sie sie zu Beginn fest und wiederholen Sie sie auf jeder Rechnung.

Netto 15 statt Netto 30. Viele zahlen relativ zum Fälligkeitsdatum. Netto 30 und Zahlung am Tag 28 ist „okay“ — bei Netto 15 wäre oft schon am Tag 14 gezahlt. Kürzere Fristen sind keine Beleidigung, sie rücken das Ziel näher.

Skonto bei früher Zahlung. Z. B. „2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen“ (in der Buchhaltung oft als 2/10 Netto 30 bekannt). Funktioniert gut bei größeren Firmen, deren AP auf Skonto optimiert ist. Bei 10.000 € Rechnung sind 2 % = 200 € — oft ein fairer Tausch für 20 Tage früheres Geld.

Verzugsgebühr. Wie oben: klar auf der Rechnung. Die meisten Kunden lösen sie nie aus — aber die Klausel zeigt: Sie messen Zahlungsfristen ernst.

Anzahlungen. 25–50 % vorab bei Neukunden oder großen Projekten. Wer vor Arbeitsbeginn keine Anzahlung zahlen will, ist oft schwerer im Nachhinein zu bekommen. Die Anzahlung teilt das Risiko.


Schritt 4: Die Rechnungs-E-Mail

Betreff und Text der Mail sind wichtiger, als viele denken. Ein vager Betreff versinkt. Eine Textwand wird überflogen. Ohne Zahlungslink muss der Kunde PDF öffnen, IBAN suchen und manuell überweisen — jeder Schritt kostet Zeit.

So funktioniert es:

Betreff: Rechnung #[Nummer] — [Projektname] — Fällig [Datum]

Hallo [Name],

anbei Rechnung #[Nummer] für [kurze Beschreibung der Leistung].

Fälliger Betrag: [Betrag]
Fällig am: [Datum]
Zahlung: [Überweisung / Stripe-Link / PayPal]

Bei Rückfragen melden Sie sich gern.

Viele Grüße
[Ihr Name]

Drei Prinzipien: kurz halten, Betrag und Fälligkeit im Text (nicht nur im PDF), Zahlung so einfach wie möglich (klickbarer Link). Je weniger Schritte zwischen „sollte ich zahlen“ und „habe gezahlt“, desto schneller ist das Geld da.

Schicken Sie die Rechnung nicht in einem riesigen Projekt-Update unter. Separate Mail mit klarem Betreff: Rechnungsnummer, Projekt, Fälligkeit. AP bearbeitet viele Rechnungen — machen Sie Ihre auffindbar und handlungsfähig.


Schritt 5: Das Follow-up-System

Versand ist Schritt eins. Nachfassen ist, wie Sie bezahlt werden. Entweder gar nicht nachfragen (und sich wundern) oder unregelmäßig eskalieren — beides schwach. Besser: fester Rhythmus:

3 Tage vor Fälligkeit: Freundliche Erinnerung. „Kurz zur Info: Rechnung #X über Y € ist am [Datum] fällig. Zahlungslink: [Link].“ Das ist nicht aufdringlich — das hilft der Buchhaltung, die Zahlung einzuplanen.

Am Fälligkeitstag: Kurz und sachlich. „Rechnung #X ist heute fällig. Betrag: Y €. Link: [Link]. Danke!“

7 Tage überfällig: Direkter. „Rechnung #X über Y € war am [Datum] fällig und ist nun 7 Tage überfällig. Wann können wir mit der Zahlung rechnen? Falls etwas an der Rechnung nicht stimmt, klären wir das gern.“

14 Tage überfällig: Formeller. „Zweite Mahnung zu Rechnung #X, 14 Tage überfällig. Gemäß Vereinbarung gelten ab 30 Tagen nach Fälligkeit Verzugszinsen. Bitte begleichen Sie den Betrag baldmöglichst.“

30+ Tage überfällig: Letzte Ankündigung vor Eskalation. Klar sagen, dass aktive Arbeit ausgesetzt wird, bis der offene Betrag beglichen ist — und das auch tun.

Beispiel für die 7-Tage-Mahnung:

Betreff: Zahlungserinnerung — Rechnung #[Nummer] (7 Tage überfällig)

Hallo [Name],

Rechnung #[Nummer] über [Betrag] war am [Datum] fällig und ist nun 7 Tage überfällig.

Wann können wir mit der Zahlung rechnen? Wenn etwas an der Rechnung nicht passt, lösen wir das gern.

Zahlungslink: [Link]

Danke,
[Ihr Name]

Konsistenz ist entscheidend. Jede Erinnerung pünktlich — unabhängig davon, ob es sich „früh“ oder „unangenehm“ anfühlt. Automatisierung nimmt die emotionale Hürde.


Schritt 6: Wenn sie nicht zahlen

Trotz klarer Bedingungen und Follow-up zahlt manchmal niemand. Eskalationspfad:

Arbeit stoppen. Ab ca. 30 Tagen überfällig: keine neue Arbeit für diesen Kunden, bis der Betrag da ist. Schriftlich: „Wegen des offenen Betrags von X € (Rechnung #Y) pausieren wir die Arbeit an [Projekt] bis zur Begleichung.“ Das ist eine Grenze, keine Drohung.

Ratenzahlung anbieten. Manche haben echte Liquiditätsprobleme. Dann 2–3 Raten über 30–60 Tage — schriftlich festhalten.

Inkasso / Mahnverfahren. Letztes Mittel. Unter ~10.000 € ist oft das Mahnverfahren pragmatisch; bei höheren Beträgen Inkasso (mit typisch 25–50 % der Einnahmen). Manchmal ist Abschreiben und Kunde trennen günstiger als der Kampf.

Vorbeugen schlägt Inkasso. Anzahlungen, Meilensteine, klare Bedingungen, konsequentes Follow-up — damit vermeiden Sie die meisten Fälle.


Checkliste vor dem Absenden

  • Eindeutige Rechnungsnummer
  • Korrekter Rechnungsname und -adresse des Kunden
  • Positionen mit klaren Beschreibungen
  • Explizites Fälligkeitsdatum (Kalenderdatum, nicht nur „Netto 30“)
  • Zahlungsinformationen mit klickbarem Link (falls möglich)
  • Verzugsregelungen auf der Rechnung
  • Versand am Tag der Leistung — nicht Tage später

Wenn alle Punkte stimmen, können Sie senden. Jedes fehlende Feld ist eine Einladung zur Verzögerung.


Schluss mit Zahlungsjagd

Das beschriebene System funktioniert. Manuell — Fälligkeiten tracken, Mahntexte schreiben, überfällige Posten prüfen — kostet Zeit, die Sie abrechnen könnten. Corcava erstellt Rechnungen aus erfasster Zeit, versendet sie nach Ihrem Rhythmus und erinnert, wenn Zahlungen ausbleiben. Zeiterfassung, Rechnung und Nachverfolgung an einem Ort — damit nichts untergeht. So passt Rechnungsstellung in den kompletten Rentabilitätszyklus →